Interview mit Axel Kiesbye

Interview Axel Kiesby
Interview Axel Kiesby
Quellen: ÖBf Archiv/ Franz Pritz, citronenrot

Interview mit Axel Kiesbye, Creativbrauer und Schöpfer des Waldbiers

 

Wie kommt man auf die, für deutsche Verhältnisse, sehr ungewöhnliche Idee Tannenzweige ins Bier zu geben?

Ich beschäftige mich seit rund 15 Jahren mit dem Thema Bierkultur und habe auf einer Bierreise nach Schottland Heather Ale mit Heidekraut und ein Bier namens Alba* kennengelernt.

Im Alba Bier werden Tannen und Kiefernzweige eingebraut.

*[Anmerkung der Red: Alba ist der gälische Name für Schottland, Albies ist aber auch

 lateinisch für Tanne.]

Für mich war das ein Schlüsselerlebnis. Ich wollte selbst so ein Bier machen. Zurück in Obertrum habe ich mit einem befreundeten Hobbybrauer begonnen das Waldbier zu entwickeln.

Die Rohstoffe kommen von den österreichischen Bundesforsten (ÖBF).

 

Wie hat sich das Waldbier 2011  verkauft – und gibt es für 2012 neue Rezepturen oder Ideen?

Das Waldbier 2011 ist komplett ausverkauft. Im Waldbier 2012 werden wir Zapfen der Zirbelkiefer einsetzen. Zirbeln haben ein hohes gesundheitsförderndes Potenzial und gelten als altes Hausmittel.

 

Ich bin gespannt auf die erste Verkostung!

 

Du hast gerade das Bierkulturhaus eröffnet. Erzähl uns etwas darüber.

Im ersten Schritt haben wir nur montags von 12 Uhr bis 20 Uhr geöffnet. Wir bieten in der Regel  30 verschiedene Biere an – davon 5 bis 6 wechselnde Monatsbiere und permanent 5 Fassbiere.

 

Du hast mit Doemens vor einigen Jahren den DIPLOM-BIERSOMMELIER etabliert. Wie sind die Reaktionen?

Die Diplom-Biersommelier Seminare sind weit im Voraus ausgebucht. Auch die Medien schenken dem Thema immer mehr Aufmerksamkeit. Der DBS ist also aktueller den je.

 

Die Bierkultur in Österreich und Deutschland ist stark inspiriert von den Entwicklungen in den USA. Wie schätzt Du die Entwicklung in den kommenden 10-15 Jahren ein?

Boutique-, Gourmet- oder Craft-Biere, die Benennung an sich ist schon eine Philosophiefrage, sind im Kommen. Die Biere sind trendig. Man schätzt für die USA, dass man einen Marktanteil von 7-8% erobern kann. Ähnliches gilt sicher auch für Europa.

 

Deutschland schneidet bei internationalen Bier-Wettbewerben bei weitem nicht so ab, wie man es allgemein erwarten würde. Wird sich hier etwas bewegen?

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Du meinst das eher bescheidene Abschneiden deutscher Biere bei den World-Beer-Championships (WBC). Das liegt sicherlich daran, dass die überwiegend amerikanischen Juroren einen anderen „sensorischen“ Hintergrund haben, wie die Kollegen aus Europa.  Vielleicht wird es hier künftig mehr Mischung und dann auch andere Ergebnisse geben.

Die „großen“ Brauereien machen bei den Wettbewerben nicht mit, die kleinen schon – das mindert die Zahl der Biere pro Kategorie. Für manche eigentlich typische Kategorien wie Kölsch  kommt daher kein Wettbewerb beim European Beer Star (EBS) zustande.

 

Eine provokante Frage: Das deutsche Reinheitsgebot. Nach Deiner Ansicht Bewahrung oder Behinderung?

In meinen Augen ist es eher eine Behinderung. Was spricht dagegen Honig, Kräuter oder Früchte einzusetzen? Ich wäre dafür künstliche Zusätze zu verbieten und nur natürliche und biologisch angebaute Zutaten aus einer Positivliste zuzulassen. Für diejenigen, die sich dennoch daran halten wollen, kann es ja ein besonderes Siegel geben.

 

Bierkeller – ein schönes Sortiment exotischer und ungewöhnlicher Biere.  Wo bekommst Du Deine Biere her?

 Ich bekomme die Biere in meiner Sammlung aus verschiedenen Quellen. Viele Geschenke von Biersommeliers sind dabei.

 

Es wird viel von neuen Hopfensorten gesprochen, die neue Aromen ermöglichen. Was erwartet uns da?

Ja, Hallertauer Blanc, Mandarina Bavaria und Polaris.  Da ist einiges im Gange und auch noch einige Dinge in der Forschung. Hier werden wir sicher in Kürze neue Aromen in kreativen Bieren erleben können.

 

Hättest Du Lust Bier.de gelegentlich mit einem kleinen Beitrag zu unterstützen?

Ja, gerne!

 

Wir danken Axel für das Interview.

Geführt wurde es am 09. Juli 2012 im Bierkulturhaus in Obertrum am See, Österreich.

 

Axel Kiesbye ist Jahrgang 1968,  Diplom Brau-Ingenieur und seit fast zwei Jahrzehnten als Braumeister in der Trumer Brauerei tätig. In seiner „Creativbrauerei“ experimentiert er seit über 10 Jahren mit innovativen Bieren. Axel ist Gründer der BierIG, Österreichs Bierkonsumentenverein. Er ist Initiator und Ausbildungsleiter der mit der Doemens Akademie zusammen durchgeführten Ausbildung zum Diplom-Biersommelier. Außerdem ist er seit letztem Jahr Betreiber  von „Kiesbye´s BIERkulturHAUS“ – unbedingt ein Besuch wert.