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Quelle: Fotolia, Margerretta, "Beer in bar", 3584141

Was also ist Craftbeer und wer darf es brauen?

Hier gehen die Meinungen weit auseinander. Die einen sagen Craftbeer könne nur in einem nicht-industriellen also „handwerklichen“ Umfeld gebraut werden, schließlich bedeutet Craft ja „handwerklich“.

Es gibt sogar einige, die sagen es komme darauf an, wer das Bier braue und wo das Bier gebraut werde. Aber die Betriebsgröße oder die Schuhgröße der Großmutter des Brauers sind keine geeigneten Kriterien für eine Definition für Craftbeer oder Craftbrewer. Ob das Bier in einem 20 Liter oder 2.000 Liter Behälter angerührt wird, macht es weder besser noch schlechter.

Auch der Ansatz die Eigentumsverhältnisse des Braubetriebes als Kriterium zugrunde zu legen, wie es Brewdog vorgeschlagen hat, ist in meinen Augen völliger Unsinn. Ob der Kessel nun einem Haufen Aktionäre gehört oder einem einzelnen Mann ist doch dem Bier und dem Konsumenten mit dem gewissen Qualitätsanspruch und Probierlaune völlig schnuppe!

Neuerlich las ich auf einer Flasche aus Holland „hand crafted beer“. Das erinnerte mich daran, dass es beim Craftbeer um das WIE und nicht das WO oder WER geht. Und das WIE macht den Unterschied. Im Gegensatz zum industriellen Prozess bei dem der Einzelne nur noch Fragmente des Brauprozesses ausführt, ist bei Craftbeer gemeint, dass DER BRAUER den Brauprozess von der Auswahl des Rezeptes, der Auswahl der Rohstoffe bis zur Abfüllung des Bieres komplett begleitet. Keine Aufteilung des Brauprozesses, keine Produktionsleiter oder Schichtführer. Ein Mann (oder Frau) braut „mit eigener Hand“. Manufakturbier wäre eigentlich ein geeigneter deutscher Begriff. Nach dieser Defintion ist es egal, ob der Braukessel dem Brauer gehört. Und nach ihr kann auch ein Konzern ein Craftbeer herstellen. Ebenso wie ein Konzern ein komplett handgefertigtes Fahrzeug (z.B. Maybach) entstehen kann, selbst wenn es sich dabei nur um ein Imageprojekt handeln mag. Entscheidend ist die Art, wie es getan wird.

Ein Craft Beer ist….
„Ein handwerklich hergestelltes Bier welches durch sorgfältig ausgewählte Zutaten und durch die Virtuosität des Brauers und seiner Liebe zum Bier zu einem Kunstwerk im Glas wird.“

Die Bandbreite der Bier-Kompositionen und Interpretationen von alten Bierstilen mit neuen Zutaten ist nahezu unbegrenzt. Ob der Brauer sich mit seinem Bier im Rahmen des Reinheitsgebotes bewegt oder es mit zusätzlichen natürlichen Zutaten versieht, bleibt ihm überlassen. Durch die Einhaltung einer ungeschriebenen Ethik des echten Craftbeer-Brauers verbietet sich der Einsatz von künstlichen Aromen oder Farbstoffen schon von selbst.

Ein Craftbeer definiert sich nicht über den Preis, sondern durch seine besondere Qualität. Die Größe der Brauanlage, des Betriebes oder sein Inhaber spielen dabei keine Rolle. Craftbeer endet dort, wo aus dem Handwerk eines Einzelnen wieder industrielle Produktion wird und wo Vielfalt und Qualität zugunsten Menge und Marge zurückgefahren werden.

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