Bildquelle Hintergrund: Fotolia, #132254158, photocrew, #132254158, Tabak Zigarre
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Warum Bier überhaupt nicht, aber trotzdem wunderbar zur Zigarre passt

Jemand sagte mal, bei einem Satz mit ABER sei alles vor dem ABER nur „Bullshit“. Ob die These auch zur Teaserüberschrift dieses Blogbeitrags passt, dürft ihr hinterher selbst entscheiden.

Bier und Zigarre ist ein schwieriges Thema, den eigentlich passt ein „normales“ Bier nicht wirklich gut zu einer Zigarre. Aber definieren wir erst einmal „normales“ Bier. Mit der Bezeichnung normal ist handels- bzw. gastronomieübliches Bier gemeint. Ein solches Bier hat zwischen 4,5 und 6 Volumen Prozent Alkohol. Die in Deutschland am meisten verbreiteten Bierstile sind Pils, Weizen, Kölsch, Alt, Helles (Lager) und Bockbiere. Wenn es etwas Normales gibt, bedeutet dies zwangsläufig, dass es auch etwas gibt, was der Norm nicht entspricht. Doch dazu später mehr!

Warum „normales“ Bier nicht zur Zigarre passt

Die Disharmonie von „normalem“ Bier und Zigarre hat eine ganze Reihe von Gründen:
Zum einen die Kohlensäure. Kohlensäurehaltige Getränke harmonieren nicht gut mit dem Genuss des edlen Rauchs. Rauch verlangt ein glatte Begleitung, keine prickelnde.

Zum anderen ist das Geschmacksprofil eines herkömmlichen Bieres nicht geeignet, um es mit der Zigarre aufzunehmen. Das soll nicht heißen, dass Bier nicht schmecke. Es geht bei den starken Aromen eines Zigarrenrauchs einfach sang und klanglos unter.

Dann der Hopfen. Hopfen ist in verschiedenen Ausprägungen Bestandteil jeden Bieres. Ab einem gewissen Grad wirkt Hopfenbittere adstringierend, es trocknet Zunge und Gaumen quasi aus. Ein trockener Gaumen passt aber nun gar nicht zum Rauch. Das führt zu Kratzen im Hals und zu Husten, auch wenn man den Rauch einer Zigarre niemals vollständig inhaliert oder „auf Lunge“ raucht.

Ein weiteres Argument gegen Bier ist die Zeit. Eine Zigarre braucht Zeit – sie ist Entschleunigung pur. Und Bier kann nun gar nicht mit Zeit. Es wird warm und schal! Und schales Bier passt noch schlechter zur Zigarre als frisches! Man könnte jetzt mit einer Vielzahl von Bieren und höherer Frequenz dagegen argumentieren, aber das passt dann schon wieder nicht mehr zur Entschleunigung.

Ein letztes Argument ist die Temperatur. Eine Rauchbegleitung von karibischen Tabakwaren sollte nicht zu kalt sein. Dies führt zu mit dem angenehm warmen Rauch zu einem kalt-warmen Wechselbad an den Geschmacksknospen unserer Zunge. Ich persönlich empfinde das nicht als angenehm und gebe temperierten Getränken den klaren Vorzug vor 5-7 Grad kaltem Bier.

Rum, Brandy, Cognac, Whisky, Sherry & Rotwein

Bei Zigarrenliebhabern finden wir häufig die Kombination mit edlem Rum, Brandy, gutem Cognac, Malt-Whisky oder einem Sherry oder auch einem guten Tropfen dunklen Rebensafts.

Gemeinhin ist hier Kohlensäure nicht vorhanden, der Alkoholgehalt dieser Getränke liegt zwischen 12,5 und 60 vol % (letzteres Single Malt in Cask-Strength, dem man in der Regel etwas Wasser beigibt).

Das Aromen Spektrum reicht von Vanille, über Brombeere und viele weitere Vertreter des Fruchtkorbs bis Sherry, Jod, Holz, Nuss und Torfrauch – die alle insgesamt gut mit den Raucharomen der Zigarre harmonieren.

Anstelle von Bittere dominieren süße Geschmackskomponenten. Selbst die Tannine eines Rotweins, die ebenfalls eine adstringierende Wirkung aufweisen, werden in der Regel durch dessen Frucht- und Beerenaromen ausgeglichen.

Temperatur und Zeit spielen bei Rotwein und geistigen Getränken keine Rolle. Sie werden bei annähernd Zimmertemperatur genossen (Eis im Whisky ist eine Glaubensfrage) und verlieren keine Kohlensäure, werden als nicht schal.

Die Betrachtung der klassischen Zigarrenbegleiter in flüssiger Form bestätigt unsere These hinsichtlich normaler Biere.

Edeles Getränk zur edlen Zigarre

Darüber hinaus kann man die meisten Vertreter dieser Spirituosen durchaus als edel zu bezeichnen. Und edel ist natürlich auch unsere Zigarre!

Wenn man nicht gerade die silbernen Tubos von der Tanke kauft, sondern sich bei einer Zigarre im Fachgeschäft beraten lässt – unsere Empfehlung ist hier übrigens Pfeifen Heinrichs in Köln- hält man in der Regel ein handgemachtes (Hecho a Mano) Tabakwerk in den Händen mit Ursprung in Kuba, Nicaragua oder der Dominikanischen Republik. Man legt irgendwas zwischen 5 und 25 Euro – wohlgemerkt pro Stück – auf den Tresen des Händlers. Sowas raucht man auch nicht mal eben in der Kaffeepause oder in der Glasbox am Flughafen. Man nimmt sich dafür Zeit – irgendwo zwischen 45 und 90 Minuten dürfen es gerne sein, die Mann oder Frau der Zigarre widmen sollte. Neben der Zeit die man einplant, spielt das Ambiente für den Zigarrenliebhaber eine große Rolle. Ein schöner gediegener Ledersessel am Kamin wäre natürlich schon sehr nahe am Optimum. Edle Zigarre, besonderes Ambiente und dazu ein profanes Pils? Eher nicht!

Übrigens Espresso und Mokkavariationen mit vielen Röstaromen, ohne Milch und gut gesüßt passen ebenfalls gut zu einer Cohiba oder einer Romeo & Julietta!

Zigarre – in guter Gesellschaft

Eine Zigarre und ein entsprechend aromatisches Getränk sind gute Begleiter für ein abendliches Gespräch mit Freunden. Ideal ist es natürlich, wenn alle Teilnehmer Zigarrenraucher sind oder sich zumindest im Klaren darüber sind, von den übrigen Gästen eingenebelt zu werden. Militante Nichtraucher sind hier eher weniger angenehme Teilnehmer.

Denn eines ist mal klar. Zigarren schmecken dem Raucher, allen Unbeteiligten „stinken“ sie! Macht mal die Probe aufs Exempel und riecht nach einem Zigarrenabend am kommenden Morgen an den Kleidungsstücken des Vorabends! Jetzt heisst es nur: ab in die Wäsche! Nicht umsonst hatte man früher für die Rauchrunde spezielle Kleidung. Der „Smoking“ ist ein Relikt aus jener Zeit.

Wenn man nun als Gastgeber einen solchen Abend plant, wird man sich kaum hinreißen lassen und dazu eine Kiste Oettinger zu 6,99 EUR organisieren, oder? Das wäre Stilbruch pur! Man wird den guten Freunden etwas Edles kredenzen wollen. Und da steht nun mal Oettinger nicht auf der Liste!

Über den Tellerand hinaus – Craftbeer & Cigar

Wenn ein Bier zur Zigarre passen soll, darf es wenig oder gar keine Kohlensäure haben, intensive Aromen aufweisen und wenig Hopfenbittere haben, zudem bei Zimmertemperatur genießbar sein – und einen edlen Charakter haben.

Gibt es sowas überhaupt?

Ja, es gibt solche Biere, jenseits der bekannten Bierwelt. Unter der Bezeichnung Craftbeer haben sich eine Vielzahl von Bieren etabliert, die jenseits von Pils und Weizen ganz neue Geschmackserlebnisse liefern und anders getrunken werden. Das sind quasi die nicht-normalen Biere!

Aber Vorsicht! Nicht jedes Craftbeer entspricht dem. Im Gegenteil – die meisten tun es nicht.

Hopfen oder säurebetonte Bierstile wie Brown Ale, Pale Ale, Gose, Wheat Pale Ale, India Pale Ale (der meistverbreitete Craftbeertyp) passen aus den genannten Gründen ebenfalls nicht zu einer Zigarre.

Aber es gibt eine Reihe von Bierstilen, die alle dem „normalen“ Bier in allen vorgenannten Punkten entgegenstehen und wirklich perfekt zu einer Zigarre passen. Hier eine kleine Liste mit ihren typischen Vertretern:

 

Barley Wine – Braufactum Arrique, Mydfynns Barley Wine, Baladin Xyauyu, Firestone Walker Sucaba

Spezielles oder holzfassgereiftes Bockbier – Maisels Chocolate Bock, Pyraser Herzblut – Oaked Whisky Ultra

Belgian Strong Ale oder Quadrupel – Chimay Blue, Gulden Draak, La BinchoiseXO, Val Dieu Gran Cru, Rochefort Trappistes 10

Imperial Stout – Hanscraft Black Nizza, Mydfynns Imperial Stout, Fullers Imperial Stout, Schönramer Imperial Stout

Eisbock – Schneider Aventinus Weizen-Eisbock,

Fortsetzung folgt – mit einer Vorstellung dieser Bierstile und seiner typischen Vertreter!

 

Viele Grüße

Dieter Kann, Biersommelier & Zigarrenraucher aus Leidenschaft

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