Bier.de-Blog: Die Geuze – Saures statt Süßes aus Belgien / Bildquelle: Fotolia, #120700286, Renar, Belgian lambic (geuze) beer glass in hand.
Bildquelle: Fotolia, #120700286, Renar, Belgian lambic (geuze) beer glass in hand.

Belgien ist bekannt für seine Blanches, Blondes und Tripels. Doch die Bierkultur eines Landes wird nicht zum UNESCO-Weltkulturerbe ohne Vielfalt. Zu den ältesten und edelsten der traditionellen Braukunstwerke unseres Nachbarlands gehört die Geuze.

Die Meinungen über sie gehen auseinander. Aufgrund des säuerlichen Charakters, durch den sie sich stark von anderen Bieren abhebt, ist sie nicht jedermanns Sache. Damit tut man der artisanalen Spezialität jedoch unrecht. Wir wollen Euch das Getränk näher bringen, dass heute noch in 11 Brauereien im hügeligen Pajottenland und dem Zennetal bei Brüssel hergestellt wird.

Was genau ist eine Geuze?

Die Geuze, auch Gueuze genannt, ist ein Verschnitt aus zwei Lambic-Bieren. Eines davon ist etwa ein Jahr alt, das andere zwischen zwei und drei Jahren. Nach der Zusammenführung findet eine Nachgärung von bis zu einem Jahr in der Flasche statt. Aufgrund der zweiten Gärung entsteht eine Menge Kohlensäure und das Bier entwickelt das für den Stil typische, säuerliche Aroma.

Woher stammt die Bezeichnung Geuze?

Die Herkunft des Namens Geuze führen wir in Deutschland oft auf den Namen der Stadt Goslar bzw. die dortige Bierspezialität Gose zurück. Die Belgier sehen den Ursprung der Bezeichnung bei den Geusen, brabantischen Freiheitskämpfern während des achtzigjährigen Krieges.

Die wahrscheinlichste Erklärung ist, dass die Brauerei, die Geuze produzierte, in der Geuzestraat in Brüssel beheimatet war. Diese wurde nach den Geusen benannt, also ist der zweite Erklärungsansatz nicht so ganz falsch.

Die Geschichte der Geuze

Zum Brauen einer Geuze braucht man Lambic-Bier. Also beginnt die Geschichte des einen Bierstils mit der des anderen. Es handelt sich beim Lambic um das mutmaßlich älteste Bier in Europa. Es schlägt sogar die Trappistenbiere mit Leichtigkeit im Vergleich der Jahre, die sie jeweils auf dem Buckel haben, denn die berühmten Klosterbiere kamen in ihrer heutigen Form erst im 19. Jahrhundert auf.

Bereits im frühen Mittelalter braute man in Belgien Weizenbier. Noch bis heute werden Lambic bzw. Geuze nach den ursprünglichen Regeln gebraut. Lediglich die Methoden wurden stetig optimiert. 1420 legte der Herzog von Brabant die Menge an Weizen im Weizenbier per Gesetz verbindlich fest.

Ein beinahe ausgestorbener Bierstil

Doch die Geuze wäre fast in der Versenkung verschwunden. Zu den Hochzeiten des Lambic gab es bis zu 400 Brauereien, die sich in erster Linie diesem Stil widmeten. Als jedoch Ende des 19. Jahrhunderts zahlreiche von ihnen dem Bau der Brüsseler Boulevards zum Opfer fielen, blieben nur noch wenige übrig. Wer sich halten konnte, avancierte zum Gewinner: 1897 war die Geuze das meistverkaufte Bier in ganz Belgien.

Die Weltkriege versetzten den traditionellen Brauereibetrieben einen weiteren harten Schlag. Es herrschte Rohstoffmangel und große Teile der Brauausrüstung wurden beschlagnahmt. Das Pilsener lief den einheimischen Bierstilen mehr und mehr den Rang ab.

Erst seit den 80er-Jahren erhielten die Geuze und die Lambic-Biere neuen Aufwind durch die wachsende Begeisterung für Spezialbiere. Seit 1997 wird die „Oude Geuze“ durch die EU als „garantiert traditionelle Spezialität“ geschützt.

Lagerung, Verschnitt und Gärung

Wer ganz kleinlich ist, erkennt die Geuze nicht als eigenen Bierstil an. Die verschnittenen Lambics lagern zuvor in Fässern aus Eichen- oder Haselholz. Die Basis-Biere unterscheiden sich nicht nur im Reifegrad, sondern auch geschmacklich.

Lambics werden nicht mit Hilfe von Reinzucht-Bierhefen fermentiert. Das Stichwort lautet Spontanvergärung. Dafür sind wilde Hefen in der Brüsseler Luft verantwortlich. Auch Bakterien nehmen Einfluss auf den Sud. Sie verleihen dem Lambic bzw. der Geuze ihr komplexes Aroma und die starken Anklänge von Essig- bzw. Milchsäure.

Warum Champagner? Man nehme die Geuze!

Während der Produktion leitet der „Geuzesteeker“ das Lambic durch mehrere Lambic-Kessel hindurch, bis der Verschnitt die gewünschte Güteklasse erreicht hat. Danach lagert die Geuze für ca. zwei Jahre in einer verkorkten Flasche. Daher bezeichnet man sie gerne als Brüsseler Champagner. Passend dazu gehört die Geuze auch eindeutig ins hochpreisige Segment, was Biere angeht.

Die massive Entwicklung von Kohlensäure ist im übrigen nicht ganz ungefährlich. Wie beim Champagner drohen Überdruck und die daraus resultierende Explosion der Flasche.

Mehr davon?

Zu den berühmtesten Herstellern gehören Lindemans, Boon oder Mort Subite. Viele der Lambic-Brauereien kann man individuell oder in der Gruppe besuchen. Im Rahmen der zweijährig stattfindenden „Tour de Geuze“ öffnen sie zeitgleich ihre Pforten. Wer schneller mehr Informationen zur faszinierenden Lambic-Braukunst benötigt, findet diese im Besucherzentrum „De Lambiek“ in der Stadt Alsemberg in der Provinz Brabant.

Wer eine handwerklich produzierte Geuze probieren möchte, sollte nach dem Siegel „Oude Geuze“ Ausschau halten. Fehlt dieses, schmeckt der Flascheninhalt nicht zwangsläufig mies. Allerdings ist die Geuze ist in diesem Falle vermutlich industriell hergestellt und mit zusätzlicher Süße und Kohlensäure versehen.

In jedem Fall ist sie ein spritziges Erlebnis, dem man beim nächsten Aufenthalt in Belgien neben den Hellen und dem Klosterbier auch eine Chance geben sollte. Wer mehr über die belgische Bierkultur erfahren möchte, findet Wissenswertes im Buch Unterwegs auf den Spuren des belgischen Bieres. Einen Beitrag zur Aufnahme der belgischen Bierkultur ins UNESCO-Weltkulturerbe findest Du hier.

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