Bildquelle: Fotolia, #66626237, Waldteufel, Hannover, Altstadt
Bildquelle: Fotolia, #66626237, Waldteufel, Hannover, Altstadt

Von den historischen deutschen Bierstilen erleben etliche durch die Craftbeer-Bewegung eine Renaissance. Ob Gose aus Goslar oder Berliner Weiße – voller Tatendrang geht man ans Werk, alten Stilen neues Leben einzuhauchen. Totgesagte leben durch die Craftbrewer länger – bisher galt das jedoch nicht für das Broyhan Bier.

Außerhalb von Hannover hat vermutlich so gut wie niemand den Namen dieses Bierstils jemals gehört. Das verwundert nicht, da es seit 200 Jahren von der Bildfläche verschwunden ist. Die Einwohner der Hauptstadt Niedersachsens verbinden den Begriff vermutlich in erster Linie das Broyhanhaus in der Altstadt. Kaum jemand weiß jedoch um die Bedeutung des Bieres, das Mitte des 16. Jahrhunderts überall ausgeschenkt wurde.

Aktuell gibt es jedoch Bestrebung einer Gruppe tapferer Braumeister der Region, der Stadt Hannover das Bier zurückzugeben, das sie einst wirtschaftlich auf eine neue Stufe katapultierte. Wir nehmen diese News zum Anlass, unser und Euer Wissen zu diesem historischen Bierstil aufzubessern.

Die Geschichte des Broyhans

Das Broyhan ist, allein schon durch den Namen, untrennbar mit seinem Erfinder Cord Broyhan verbunden. Geboren im Stadtteil Stöcken, ging er zunächst von Hannover nach Hamburg, um dort als Bierbrauer zu arbeiten. Die Bierherstellung war damals ein gewinnbringendes Geschäft. Das Grundnahrungsmittel versorgte die Menschen mit Vitaminen und der lebensnotwendigen Flüssigkeit.

Cord Broyhan kehrte nach Hannover zurück und machte sich daran, ein eigenes Bier zu kreieren. Dazu nutzte er das Brauhaus des Braumeisters Hans von Soda. Zunächst hatte er geplant, das dunkelbraune Hamburger Bier mit leichten Abwandlungen nachzubrauen.

Im Jahre 1526 kam jedoch etwas ganz anderes heraus: Ein helles, obergäriges Bier, basierend auf Wasser, Hopfen und Hefe und lediglich einem Drittel Weizen, dafür aber zwei Drittel Gerstenmalz. Es schmeckte süßlich-sauer und angenehm erfrischend.

Das Broyhan Bier sorgte für einen phänomenalen wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt Hannover. Durch seine gute Haltbarkeit wurde es zum Exportschlager. Der ganze norddeutsche Raum begeisterte sich für den neuen Bierstil. Hannover konnte bald schon den Titel einer Bierstadt ersten Ranges in Deutschland in Anspruch nehmen.

Das Erbe des Broyhans

Vor gut 200 Jahren verschwand das Broyhan Bier. Ungefähr 150 Jahre nach seiner Hochphase erschufen Berliner Brauer durch eine Veränderung der Rezeptur ein Berliner Weizenbier.

Auch die Tradition des Lüttje Lager gehört zum Erbe des Broyhan. Dabei handelt es sich um ein Mischgetränk aus dem obergärigen Lüttje-Lagen-Schankbier und einem Korn. Die Praxis geht auf die historische Gepflogenheit zurück, ein Broyhan zusammen mit Branntwein zu trinken. Bei Brauchtumsfesten in der Region greift man immer noch gerne zu diesem Mix.

Die Wertschätzung für Cord Broyhans Werk ist auch heute noch zu erkennen. Das Logo der Gilde-Brauerei, eines der ältesten Unternehmen der Stadt, zeigt heute noch den Broyhan-Taler mit einem Hahn darin.

Große Verehrung wurde Broyhan selbstverständlich auch bereits in seiner eigenen Epoche zuteil. Die handschriftlichen Überlieferungen im Stadtarchiv aus dem Jahr 1551 sprechen von einem einem Doppel-Distichon (ein Vers in einem römischen Versmaß) am Piepenhorn-Brunnen, das das Broyhan Bier verherrlichte.

Die Renaissance eines Bierstils

Wer bisher aufmerksam gelesen hat, stellt sich bestimmt die Frage, ob vielleicht doch irgendwo heutzutage noch Broyhan probiert werden kann. Seit kurzem ist dies tatsächlich wieder möglich.

Die Gebrüder Christoph und Stefan Digwa von Craft-Brauerei auf dem Gutshof in Sehnde-Rethmar experimentierten gemeinsam mit dem Brauer Johan Jarvens lange an ihrer Interpretation. Der wiederbelebte Klassiker erblickte im Sommer 2017 das Licht der Bierwelt.

Die Renaissance erforderte viel Arbeit. Cord Broyhan hat nirgendwo sein Rezeptur hinterlassen. Vermutlich gab es zu keinem Zeitpunkt das eine, vollständige Rezept. Auch falls es eine Grundrezeptur gegeben hat, musste er doch mit denjenigen Rohstoffen vorlieb nehmen, die gerade verfügbar waren. Die Auswertung der historischen Quellen fokussierte sich also neben der Suche nach Rezepten auch auf Geschmacksbeschreibungen.

Mehr Informationen findet zur Hofbrauerei des Gutshofs Rethmar findet ihr hier.

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