Nicobar

Dieter Kann | Biersommelier | 20. 6. 2014

Das Bier kommt in einer dunklen, geheimnisvollen Flasche (0,75 Liter) mit aussergewöhnlichem Design. Das Etikett ist mit dem österreichischen Doppeladler kombiniert, mit historischem Kartenmotiv und ist trotz dieser klassischen Elemente modern und schick gestaltet. Es verrät doch einiges über das Bier. Verschluss: Kronkorken - lieber dicht und geschmacksneutral statt schicki-micki.

Wie immer gibt es bei Gusswerk eine Geschichte zum Namen:

Der Name dieses IPA wurde inspiriert von den Car Nicobar, der Hauptinsel der Nicobaren. Diese Inselgruppe im indischen Ozean war zur Zeit der ungekrönten Kaiserin Maria Theresia österreichische Kolonie. Maria Theresia ist auch Namensgeberin der Insel Teressa. Österreichische Schiffe segelten damals von Trieste aus zu den im Golf von Bengalen gelegenen Nicobaren, und sollen auch stärker eingebrautes Bier nach dem Vorbild des britischen IPA für die Kolonialisten an Bord gehabt haben.
Das Bier offenbart die Farbe von patiniertem Kupfer mit einem matten Glanz. Das ist ungefiltert, also naturtrüb. Wie es sich für ein IPA gehört, gibt es reichlich cremfarbenen Schaum dazu.
Hopfen, Hopfen und nochmal Hopfen! Herrliche Zitrusaromen von Pampelmuse und Grapefruit mit einer Spur Veilchen. Eine unterschwellige Karamellnote lässt echte Vorfreude auf das Erlebnis am Gaumen aufkeimen. Fehlaromen sind nicht vorhanden.
Der erste Schluck ist geprägt von karamellbetonter Süße. Die Bitternote ist fein und das Bier wunderbar ausbalanciert. Das Nicobar enthält nicht die geringste Spur des seifigen Beigeschmacks, der leider vielen schlecht gemachten IPAs zu eigen ist.
Am Gaumen ist das Bier sehr geschmeidig, fast schon glatt, bei vollen Körper und leichter, angenehmer Adstringenz.
Der Nachklang ist weich, zart - die Bittere kratzt nicht und ist nicht im geringsten metallisch! Das Bier ist sehr ausgewogen, wunderbar hopfenbetont, aromatisch und gleichzeitig kein reiner Bitterhammer.
Insgesamt möchte ich das Nicobar als echtes Kunstwerk betiteln. Eine tolle Hopfenkomposition aus Simcoe, Cascade, Summit und Citra hat Braumeister Reinhold Barta hier zusammengestellt. Braukunst made in Salzburg. Wäre Mozart sein Brauer gewesen, hätte er dieses Bier komponiert!

Für mich eines der besten IPAs das ich kenne - absolute Referenzklasse!

Bewertung

Aussehen 8 / 10 Aroma 20 / 20 Geschmack 30 / 30 Mundgefühl 10 / 10 Nachklang & Bittere 10 / 10 Gesamteindruck 19 / 20

Punkte

97 / 100