| Eine britische Forscherin von der Universität Cambridge hat anhand archäologischen Fundstücken nachgewiesen, wie die alten Ägypter Bier brauten. Demnach kannte man bereits vor rund 3500 Jahren das Prinzip des Mälzens und Maischens. Als Ausgangsbasis für ihre Untersuchungen dienten der Altertumsbiologin Delwen Samuel Rückstände aus Trink- und Braugefäßen. Das antike Brauequipment fanden britische Archäologen vor sechs Jahren bei Ausgrabungen am Nil in der Gegend von Armana und Deir el-Medina. Im trockenen Wüstenklima Mittelägyptens hatten eingetrocknete Bierreste die Jahrtausende so gut überstanden, daß die Wissenschaftlerin sie licht- und elektronenmikroskopisch untersuchen konnte. Samuel konzentrierte sich bei ihrer Untersuchung auf die im Getreide enthaltenen Stärke. Von der modernen Getreideforschung weiß man, daß sich die mikroskopische Struktur der Stärkekörnchen entsprechend dem Prozeß der Getreidebehandlung verändert. Diese Erkenntnisse lieferten der Altertumsbiologin den Schlüssel für die Analyse des antiken Brauverfahrens. So hinterläßt beispielsweise das Mälzen, also die enzymatische Umwandlung von Stärke in Zucker, typische Spuren: Unter dem Rasterelektronen-Mikroskop sind kraterähnliche Vertiefungen auf der Oberfläche der Stärkekörnchen zu sehen. Erhitzt man Stärke in Wasser - in der heutigen Brauersprache Maischen genannt - schwellen die Körnchen an und verschmelzen miteinander. Auch solche Strukturen fand Samuel in den 3500 Jahre alten Bierresten. Offenbar hatten schon die alten Ägypter erkannt, daß vermälztes Getreide bei der Bierherstellung von Vorteil ist, liefert es doch mehr Zucker für den Gärprozeß. Bisher hatten Forscher geglaubt, das Nationalgetränk der Urägypter sei aus vergorenen Brotstücken entstanden. Diese Theorie entwickelten sie aus der Interpretation von Grabbeigaben und Wandmalereien. Ganz sicher spielte Bier eine große Rolle im Alltag der Pyramidenbauer: Für Bier und den Bierbrauer gab es eigene Hieroglyphen. |