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Angespornt durch die Möglichkeiten der Kältemaschine machten sich die besten europäischen Brauer auf die Suche nach einer neuen Hefeart, die auch bei geringeren Temperaturen gärt. Anton Dreher aus Österreich, Gabriel Sedlmayer aus Deutschland und Emil Hansen aus Dänemark teilten sich diesen Erfolg. Sedlmayr und Dreher wurden bei ihren gemeinsamen Forschungen mit der Isolation der so genannten untergärigen Hefe, auch Saccaromyces uvarum - wie der Fachmann sagt - belohnt. Hansen hingegen hat es als Erster geschafft, eine einzelne Hefezelle zu isolieren.
Sedlmayer kam aus einer Brauerfamilie, die den königlichen bayrischen Hof belieferte. Er war eine hoch angesehene Persönlichkeit in der Bierwelt und war Mitte des 19. Jahrhunderts für die Herstellung des Münchner Spatenbieres verantwortlich. Er wurde jedoch bekannt als einer der ersten Brauchemiker, die die Wissenschaft erstmals in die Brauhäuser brachten.
Dreher, ein Wiener Brauer, traf Sedlmayer während seines Studiums der Brautechnik in München. Hansen hingegen machte wohl eine der wichtigsten Entdeckungen in der Braugeschichte in einem Laboratorium der dänischen Carlsberg-Brauerei. Er isolierte als Erster eine einzelne Hefezelle. Nachdem der Trick erst einmal bekannt war, erlaubte es den Brauern, nur die Hefekulturen zu verwenden, die für ein gutes Bier sorgen würden. Der Erfolg traf im Jahre 1883 ein, und ermöglichte es, dass die verschiedenen Biermarken einen fast gleich bleibenden Geschmack vorweisen, indem die Brauer reine Hefekulturen verwenden, und vor allem bei jedem Brauprozess die gleichen Kulturen verwenden.
Auf die Idee für diese Forschungen kamen die Herrschaften bei einem internationalen Braukongress im Jahre 1873, bei dem Carl von Linde seine Ideen für eine Kältemaschine vorstellte. Louis Pasteur war bei diesem Kongress natürlich auch anwesend. Diese Erfindung der durch verdichtetes Gas betriebenen Kältemaschine stellte einen so tiefen Einschnitt in den Brauvorgang dar, dass die Aufregung der anwesenden Herren nur allzu verständlich war. Beflügelt durch die neuen Möglichkeiten starteten sie ihre Forschungen.
Heute wissen wir, dass Linde's Erfindung nicht nur einen tiefen Einschnitt in die Brauindustrie darstellte, sondern dass sie aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken ist. Nichtsdestotrotz waren es Brauereien, die diese Maschine als Erste einsetzten, da sie auch den größten Nutzen davon hatten - untergärige Biere konnte ganzjährig gebraut werden, und Bier konnte ohne Probleme über größere Strecken transportiert werden.
Wir haben bereits von Weihenstephan gelesen, sicherlich dachte 1040 keiner der Mönche daran, dass einmal weltliche Gelehrte in ihrer Brauerei das Bier und das Brauen erforschen würden. 1930 wurde die Hochschule für Brauerei in Weihenstephan der Technischen Universität in München angegliedert – Bierbrauen war nun Objekt der Wissenschaft geworden. Extraordinarius Professor Dr. Piendl, der in Weihenstephan Brauereitechnologie und Mikrobiologie lehrt, ist einer der führenden Bierforscher Deutschlands, der in zahlreichen Fachartikeln auf die positiven Wirkungen von Bier hingewiesen hat. |