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Etikettenwahnsinn und Marketing
Beim Bierkauf einen informierten Eindruck zu hinterlassen, ist schon eine kleine Herausforderung für jeden Bierliebhaber. Die teilweisen sonderbaren Vorschriften seitens des Gesetzgebers auf den Etiketten zu verstehen, ist schon eine Wissenschaft für sich. Auf der anderen Seite steht der natürliche Wunsch vieler Brauer, poetische Genüsse auf den Etiketten unterzubringen und sich für die trinkende Bierwelt zu verewigen. Beide führen in der Kombination dazu, dass Bieretikettengestaltung und Bierwerbung »nicht immer harmonisieren«. Da kann es einem Konsumenten schon manchmal schwer fallen, für diesen Unsinn auch noch bezahlen zu müssen.

Die Brauereipoesie bei deutschen Brauern ist meist einleuchtend. Eine Darstellung des Geschmacksbildes, wie Premium Pils oder Kölsch, ist dabei sicherlich hilfreich. Ebenso ist die Angabe des Alkoholgehalts nützlich. Und natürlich der Hinweis auf das Reinheitsgebot (nur die Zutaten Wasser, Hopfen, und Malz sind erlaubt) das sowieso fast alle Deutschen kennen. Bei ausländischen Bieren sind oft Angaben verzeichnet wie zu Bestandteilen und den Brauprozessen, die für den durchschnittlichen deutschen Verbraucher meistens irrelevant sind. Er versteht sie kaum. Entscheidend ist für ihn, zu wissen, dass diese Biere nur selten dem deutschen Reinheitsgebot entsprechen, aber dennoch nach Bier schmecken können.

Hinweise auf Etiketten und Dosen wie ein »hopfenbetontes Bier« oder die nähere Spezifikationen der Malzart, sind sicherlich eine gute Werbeidee der Geschmackserläuterung und vielleicht auch dienlich. Sie besagen aber nicht viel. Andere Informationen, wie spitzen Pils sächsischer Braukunst, verwirren sogar manchmal eher, als das Sie nützlich sind. Es ist kaum anzunehmen, dass damit das Bier besser schmeckt als andere, oder? Sollte ein Bierfan die Bezeichnungen verstehen und danach seine Wahl treffen, die auf diesen Informationen basieren? Meistens lautet die Antwort: nein.

Was nicht auf dem Aufkleber verzeichnet wird, ist meist mehr von Belang und wirft oft Fragen beim informierten Verbraucher auf. Dieses Kapitel eröffnet einige Hintergründe auf das, was Sache ist, damit Sie im Vertrauen ihr Bier genießen können.

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